


Mein Name ist Freya. 2019 wurde ich im Tierheim geboren, gemeinsam mit meinen beiden Brüdern Loki und Odin. Unsere Mutter nahm uns leider nicht an, deshalb bekamen wir eine Amme. Diese kümmerte sich in den ersten Tagen sehr liebevoll um uns, doch dann kam ein weiterer Schicksalsschlag: Unsere Ammenmutter war voller Tumore und starb kurze Zeit später. Deshalb wurden wir hier im Tierheim liebevoll mit der Hand aufgezogen. Wir waren winzig, hilflos und hatten trotzdem großes Glück: Schon bald fanden wir gemeinsam ein Zuhause. Wir drei durften zusammenbleiben, und es schien, als würde unser Leben endlich beginnen.
Doch das Glück hielt nicht lange an.
Meine beiden Brüder wurden tragischerweise überfahren. Von einem Tag auf den anderen war ich allein. Die beiden Katzen, die später in die Familie kamen, mochten mich nicht. Sie machten mir das Leben schwer, und ich fühlte mich immer mehr unerwünscht. Dann trennten sich auch noch meine Menschen. Alles, was ich gekannt hatte, zerbrach Stück für Stück.
Schließlich lebten wir nur noch bei meinem Besitzer. In der neuen Wohnung durfte ich nicht mehr nach draußen, weil es eine grosse und gefährliche Strasse vor der Tür hatte. Für mich war das sehr schwer. Ich wurde immer trauriger, zog mich immer weiter zurück und verlor die Freude am Leben. Als sensible Katze kam ich mit all den Veränderungen einfach nicht zurecht.
Irgendwann gab es keinen anderen Weg mehr: Schweren Herzens brachte man mich zurück ins Tierheim, genau dorthin, wo mein Leben einst begonnen hatte.
Dabei wünsche ich mir nichts sehnlicher als ein ruhiges Zuhause. Ich brauche wieder Freigang, die Möglichkeit, die Welt draussen zu erkunden und frische Luft zu spüren. Mit anderen Katzen möchte ich nicht zusammenleben, denn ich sehne mich nach einem Ort, an dem ich endlich zur Ruhe kommen darf. Ein stabiles, liebevolles Zuhause, in dem ich mich sicher fühlen kann und nie wieder Angst haben muss, alles zu verlieren.
Seit einiger Zeit warte ich nun hier im Tierheim auf meine zweite Chance. Doch niemand fragt nach mir. Wenn sich doch einmal jemand meldet, sind es meist sehr alte Menschen. Und dann haben meine lieben Bezugspersonen hiergrosse Angst, dass ich irgendwann wieder mein Zuhause verlieren würde. Aber genau das würde ich nicht mehr verkraften.
Ich habe in meinem Leben schon so viel verloren. Meine Brüder. Mein Zuhause. Mein gewohntes Umfeld. Immer wieder musste ich Abschied nehmen.
Hier im Tierheim leide ich sehr. Es ist laut, hektisch und voller Veränderungen. Für eine sensible Seele wie mich ist das kaum auszuhalten. Jeden Tag hoffe ich darauf, dass jemand kommt und mich sieht. Nicht nur die Katze im Tierheim. Sondern mich.
Ich suche keinen perfekten Menschen. Ich wünsche mir nur jemanden, der mir ein liebevolles Zuhause schenkt, Geduld mit mir hat und mich nie wieder gehen lässt, denn ich möchte endlich ankommen. In meinem Für-Immer-Zuhause, bei meinen Für-Immer-Menschen.



