Weiterbildung im Strubeli – Weil jede Katze zählt ❤️

Weiterbildung im Strubeli – weil jede Katze zählt ❤️

Manchmal sind es die kleinen Momente, die uns daran erinnern, warum wir tun, was wir tun.

Ein vorsichtiger Blick aus einem Versteck.
Eine kleine Pfote, die sich zum ersten Mal nach einer menschlichen Hand ausstreckt.
Ein leises Schnurren von einer Katze, die uns lange nicht vertraut hat.

Genau um diese besonderen Momente ging es gestern bei uns im Strubeli.

Wir durften Gastgeber für einen Weiterbildungskurs für TierpflegerInnen sein, der von NetAP organisiert wurde. Fast 20 engagierte Menschen kamen zusammen, um sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, das uns im Tierschutz immer wieder beschäftigt und uns ganz besonders am Herzen liegt:

Verwilderte Katzen – was tun?

Das Katzenelend in der Schweiz ist riesig. Und das Schlimme daran: Ein grosser Teil davon findet im Verborgenen statt.

Verwilderte Katzen leben irgendwo draussen. Auf Bauernhöfen, in Scheunen, in Industriegebieten, auf abgelegenen Grundstücken oder an Orten, an denen kaum jemand hinschaut. Sie sind scheu, oft krank oder geschwächt und vermehren sich unkontrolliert.

Und während wir im Alltag vielleicht nur eine einzelne Katze sehen, steckt dahinter häufig ein ganzes Netzwerk aus Katzen, die dringend Hilfe brauchen.

Esther Geisser und Katja Stooss von NetAP sowie Simone Niederhäuser, Tierärztin in der Tierklinik Mittelland, führten uns durch einen spannenden, abwechslungsreichen und sehr eindrücklichen Weiterbildungstag.

Obwohl wir schon seit vielen Jahren mit NetAP zusammenarbeiten und die Problematik gut kennen, hat uns die Weiterbildung einmal mehr vor Augen geführt, wie gross das Problem tatsächlich ist.

Und sie hat uns auch über etwas nachdenken lassen, das uns immer wieder beschäftigt:

Wer fühlt sich eigentlich verantwortlich?

Oft wird das Problem weitergeschoben. Die Gemeinde fühlt sich nicht zuständig. Der Kanton verweist weiter. Andere sehen die Verantwortung bei den Tierschutzvereinen.

Und am Ende?

Bleiben die Katzen.

Sie können nicht weiterverweisen. Sie können nicht um Hilfe bitten. Sie können nicht erklären, dass sie krank sind oder dass sie Hunger haben.

Sie sind einfach darauf angewiesen, dass jemand hinsieht.

Dass jemand handelt.

Dass jemand sagt: „Wir kümmern uns.“

Wenn aus einem kleinen Fauchen Vertrauen wird

NetAP fängt jedes Jahr abertausende Katzen ein, lässt sie kastrieren, medizinisch versorgen und sucht geeignete Plätze, an denen verwilderte Katzen wieder artgerecht leben können.

Auch bei uns im Strubeli gehören diese Katzen längst zu unserem Alltag.

Immer wieder übernehmen wir verwilderte, trächtige Katzen, bei denen eine Kastration aufgrund der bevorstehenden Geburt nicht mehr möglich ist.

Oder wir nehmen ganze Würfe kleiner Kitten auf.

Und dann beginnt eine ganz besondere Reise.

Am Anfang sind da oft Angst und Misstrauen.

Die kleinen Katzen verstecken sich. Sie fauchen. Sie möchten nicht angefasst werden. Jede Bewegung des Menschen kann ihnen Angst machen.

Doch dann kommen Geduld und Zeit ins Spiel.

Wir setzen uns dazu. Wir warten. Wir sprechen leise mit ihnen. Wir lassen sie in ihrem Tempo ankommen.

Und irgendwann passiert es.

Vielleicht erst nach Tagen. Vielleicht nach Wochen.

Eine kleine Katze bleibt sitzen, anstatt wegzulaufen.

Sie kommt ein Stück näher.

Sie schnuppert an einer Hand.

Und irgendwann – ganz plötzlich – lässt sie sich streicheln.

Und wenn dieses kleine Wesen dann zum ersten Mal schnurrt, ist das ein Moment, den man nicht mehr vergisst.

Genau dafür machen wir diese Arbeit.

Die Kitten dürfen, sobald sie alt und bereit dafür sind, in liebevolle neue Zuhause ziehen. Und auch die Katzenmütter werden kastriert, medizinisch versorgt und dürfen anschliessend häufig wieder auf ihre vertrauten Bauernhöfe zurückkehren.

Dort, wo sie hingehören.

Dort, wo sie sich auskennen.

Dort, wo sie wieder ein möglichst freies und artgerechtes Leben führen können, jedoch ohne sich unkontrolliert zu vermehren.

Wir können nicht alle retten. Aber wir können einen Unterschied machen.

Natürlich wünschen wir uns manchmal, wir könnten mehr tun.

Unser Tierheim könnte zehnmal grösser sein – und trotzdem könnten wir nicht alle Katzen aufnehmen, die irgendwo in der Schweiz Hilfe benötigen.

Aber vielleicht müssen wir auch nicht alle retten.

Vielleicht beginnt Veränderung damit, dass jeder von uns die rettet, die er erreichen kann.

Deshalb möchten wir heute ganz besonders an die Tierheime und Tierschutzorganisationen in der Schweiz appellieren:

Traut Euch, auch verwilderte Katzen aufzunehmen.

Ja, es ist anspruchsvoll.

Ja, es braucht Zeit.

Ja, manchmal braucht es unglaublich viel Geduld.

Aber jeder Moment davon lohnt sich.

Denn es gibt kaum etwas Schöneres, als mitzuerleben, wie aus Angst Vertrauen wird.

Wie aus einem kleinen, fauchenden Bündel ein neugieriges Kätzchen wird.

Wie eine geschwächte Katzenmutter nach ihrer Behandlung wieder gesund und stark wird.

Und wie sie schliesslich kastriert und gut versorgt zurück an ihren vertrauten Platz darf.

Das sind die Momente, die bleiben.

Die Momente, die uns glücklich machen.

Die Momente, für die sich auch die schwierigsten Tage lohnen.

Doch Tierschutz darf nicht nur auf den Schultern der Tierschutzvereine liegen

So sehr wir unsere Arbeit lieben – eines dürfen wir nicht vergessen:

Wir können dieses Problem nicht alleine lösen.

Es braucht endlich mehr Verantwortung und mehr Unterstützung.

Eine Chip- und Kastrationspflicht muss in der Schweiz dringend umgesetzt werden.

Gemeinden und Kantone müssen ihre Augen öffnen und jene Tierschutzorganisationen unterstützen, die sich tagtäglich um gefundene, herrenlose und verwilderte Katzen kümmern.

Denn auch unsere Möglichkeiten sind nicht unendlich.

Jede Katze, die eingefangen, kastriert, geimpft und gegen Parasiten behandelt wird, verursacht Kosten von mehreren hundert Franken.

Und wenn man bedenkt, dass es nicht um eine Handvoll Katzen geht, sondern um Tausende, wird erst sichtbar, welche enorme Aufgabe hier vor uns liegt.

Hinter jeder Zahl steht ein Lebewesen.

Eine Katze, die Angst hat.

Eine Katze, die Hunger hat.

Eine Katze, die krank ist.

Eine Katze, die vielleicht noch nie erfahren durfte, wie es sich anfühlt, wenn ein Mensch gut zu ihr ist.

Und genau deshalb dürfen wir nicht wegschauen.

Danke, NetAP ❤️

Unser ganz grosser Dank gilt NetAP.

Für den unermüdlichen Einsatz. Für die unzähligen Katzen, denen geholfen wird. Für das Wissen, das weitergegeben wird. Für die Zusammenarbeit. Und vor allem dafür, dass ihr immer wieder zeigt:

Wenn viele Menschen gemeinsam anpacken, kann Grosses entstehen.

Wir sind glücklich und dankbar, einen kleinen Teil dazu beitragen zu dürfen, das Katzenelend in der Schweiz zu verringern.

Und wir hoffen von Herzen auf viele weitere gemeinsame Projekte, auf viele weitere gerettete Katzen und auf noch mehr Menschen, die bereit sind hinzuschauen und Verantwortung zu übernehmen.

Denn am Ende geht es nicht darum, wie viele Tiere wir alleine retten können.

Es geht darum, was wir gemeinsam bewegen können.

Wie kann ich als Privatperson helfen?

Schaut nicht weg – schaut hin.

Vor allem aber: Verbreitet das Wissen, das Ihr habt. Sprecht mit Menschen, die ihre Katzen nicht kastrieren lassen möchten, und informiert sie darüber, warum eine Kastration so wichtig ist und welchen Beitrag sie damit zum Tierschutz leisten können.

Jede einzelne Person kann etwas bewirken. Aufklärung, Aufmerksamkeit und verantwortungsvolles Handeln sind wichtige Schritte, um unnötiges Tierleid zu verhindern.

Und wenn Ihr ernsthaft und aktiv mithelfen möchtet, dann schaut doch einmal hier rein: