
Und wieder einmal erreichte uns ein grosser Notfall. Ein Mann war gestürzt und konnte sich deshalb nicht mehr um seine Meerschweinchen kümmern. So kam die Anfrage bei uns an, ob wir die Tiere aufnehmen könnten. Eine unserer Mitarbeiterinnen machte sich heute Morgen, begleitet von ihrer Mutter, auf den Weg, um die Tiere abzuholen. Was sie dort vorfanden, war allerdings ein grosser Schock.
Über 30 Meerschweinchen lebten in mehreren kleinen «Abteilen» eines Schuppens, darunter Babys, trächtige Tiere und ältere unkastrierte Meerschweinchen. Der Platz war viel zu eng, die Tiere lebten auf ihren eigenen Ausscheidungen und Heu oder Stroh standen ihnen ebenfalls nicht zur Verfügung.
Wir möchten an dieser Stelle ausdrücklich nicht über den ehemaligen Halter urteilen. Ein Unfall, eine schwierige Lebenssituation oder eine Überforderung können sehr schnell dazu führen, dass eine Situation aus dem Ruder läuft. Trotzdem müssen wir auch ehrlich sagen: Der Zustand, in dem wir die Tiere vorgefunden haben, war für uns sehr traurig und erschütternd. Die Meerschweinchen brauchten dringend Hilfe. Kurzerhand wurden deshalb alle Tiere eingepackt und zu uns ins Tierheim gebracht. Nun verschaffen wir uns erst einmal einen Überblick: Wer ist männlich, wer weiblich, wer ist trächtig, wer braucht medizinische Versorgung? Gerade bei einer so grossen Gruppe ist es wichtig, die Tiere möglichst schnell zu trennen, damit nicht noch mehr Nachwuchs entsteht. Und irgendwie ist es ein trauriges Beispiel für Glück im Unglück:
Wäre der Mann nicht gestürzt und hätte uns deshalb nicht um Hilfe gebeten, wäre dieser Tierschutzfall vermutlich nie entdeckt worden. Niemand weiss, wie viele Tiere sich unter diesen Umständen noch vermehrt hätten und wie gross das Leid letztlich geworden wäre. Jetzt können wir zumindest dafür sorgen, dass die Geschichte für diese Schweinchen eine andere Wendung nimmt.
Da wir unmöglich über 30 zusätzliche Tiere dauerhaft bei uns unterbringen können (ab dem 2. Oktober beginnen die Herbstferien, für die viele Ferientiere angemeldet sind) werden einige der Meerschweinchen vorübergehend in andere Tierheime und Auffangstationen umziehen. Das Tierheim Pfötli übernimmt drei Böckchen. Ein grosser Teil der Meerschweinchen darf ausserdem in die Kaninchenhöhle ins Aargau zu Janina weiterziehen.
Wir sind sehr dankbar für diese Unterstützung. Denn gerade in solchen Situationen zeigt sich, wie wichtig ein gutes Netzwerk im Tierschutz ist. Wenn alle soweit stabil sind, werden für alle Schweinchen tiergerechte und schöne Zuhause gesucht, mit ganz viel Platz, Fürsorge und Liebe.
Für uns heisst es nun: Alle Hände voll zu tun und hoffen, dass es dieses Wochenende bei diesem Notfall bleibt und kein Weiterer dazukommt.


